75 ha große Karpfen­teich­wirtschaft.

(Bild zeigt 25 ha großes Ilmenauer Teichgebiet)

Frühjahrsbesatz oder Herbstbesatz in der Karpfenteichwirtschaft?

Warum überhaupt gibt es Besatzfische nur im Frühjahr und Herbst?

Der normale Zyklus in der Karpfenteichwirtschaft ist schnell erklärt. Im Frühjahr, sobald die Teiche wieder eisfrei sind, beginnen wir die Winterungen (Winterteiche sind meist kleinere tiefe Teiche mit sehr guter Wasserzufuhr) abzufischen. Der größte Teil dieses Fischbestandes geht allerdings als Eigenbesatz in unsere über den Winter wieder mit Wasser gefüllten Abwachsteiche (ertragsreiche, warme, nicht allzu tiefe Teiche). Den restlichen Fischbestand können wir als Frühjahrsbesatz anbieten bzw. im Herbst vorbestellte Besatzfische mit überwintern.

Optimale Bedingungen für den Karpfen in der Wachstumsphase

Unsere Lieblinge – wie ihr ja alle wisst – sind wechselwarme Tiere. Die Karpfen wachsen über den Sommer (optimal bei ca. 22°C-25°C) am besten ab. Im Sommer könnten wir auch keine Abfischungen durchführen (ausgenommen die Abfischungen der vorgestreckten Fische – dies sind spezielle Teiche, die meist immer frisches Wasser zur Verfügung haben), aufgrund der hohen Temperaturen, des meist nicht vorhandenen Frischwasser-Zuflusses und der Empfindlichkeit der Beifische wie Rotaugen, Rotfedern und Zander, die im Sommer solche Abfischungen nicht überleben würden. Des Weiteren würden wir die Karpfen mitten in der Wachstumsphase entnehmen und so viel Fischmasse bis zum Herbst einbüßen. Also kommt nur noch der Herbst infrage. Die Temperaturen gehen zurück, das Wasser wird kälter, die Fische fangen an, ihren Kreislauf langsam herunter zu fahren (verbrauchen dadurch auch weniger Sauerstoff und sie sind ruhiger bei den Abfischungen). Herbstlicher Regen bringt die nötige Frischwasserzufuhr. Die Naturnahrung ist aufgebraucht in den Zuchtteichen und wir haben die höchste Fischmasse in diesem Zuchtjahr erreicht.

Abwachsteiche auswintern, um den Teichboden zu minderalisieren

Durch die herbstlichen Abfischungen sind die Abwachsteiche trocken. Diese werden nun eine Zeitlang trocken gelassen bzw. teilweise ausgewintert (Bezeichnung dafür wenn der Teichboden Frost ausgesetzt wurde). Diese Vorgänge werden durchgeführt, damit Parasiten abgetötet werden und der Teichboden sich erholen kann –> er zieht Luft –> er mineralisiert!

Großfische & Raubfische im Herbst besetzen

Grundsätzlich kann man sagen, Herbstfische sind stabiler (besser konditioniert wie Frühjahrsfische, denn diese kommen direkt aus den Abwachsteichen heraus und sind vollgefressen). „Großfische“ und Raubfische sollten im Herbst besetzt werden, da wir kaum die Möglichkeit haben, große Mengen Raubfisch in Winterteichen mit ausreichend Futterfischen zu überwintern. Des Weiteren sollten zu einem größeren Raubfischbesatz ausreichend Beifische / Futterfische (wenn kein hoher Futterfischbesatz – auch passende Größen im Teich vorhanden sind) mit besetzt werden damit die Räuber, die im Winter aktiv sind, nicht durch aktive Futtersuche alle anderen Teichfische wie auch unsere Karpfen beunruhigen oder gar stressen.

Das wichtigste für eine sichere Überwinterung der Besatzfische: Ruhe

Das wichtigste für eine sichere Überwinterung im Teich ist RUHE – Schlittschuhläufer sind schlimmer als einfallende Kormorane im Herbst.

Die Karpfen / Besatzfische, die im Herbst besetzt werden, sind noch eine Weile aktiv und können sich durch Futtersuche den Kalorienverlust, den sie durch Transport sowie Stress bei der Abfischung hatten, wieder zu sich nehmen. Denn in den meisten Angelgewässern – bedingt durch die viel geringere Besatzdichte – müsste noch genug Naturnahrung vorhanden sein. Auch an das Gewässer können sich die Fische noch gewöhnen. Oktober und November sind die Monate im Jahr, in denen die meisten Satzfische besetzt werden. Im Dezember ist es meist schon zu kalt für Abfischungen.

Vorsicht Kormoran!

Leider gibt es heutzutage ein Argument, das gegen einen Herbstbesatz spricht. Der Kormoran! Das Winterungsrisiko liegt bei uns Züchtern. Gut, aber der Kormoran wird in manchen Regionen mehr oder minder stark vertreten sein und bei uns in den Zuchten meist noch mehr! Wenn größerer Stückbesatz durchgeführt wird, sind die Fische schon aus der Fressgröße des Vogels heraus. Vor allem ist in den Angelgewässern nicht solch eine Fischmasse im Teich vertreten wie bei uns in den Zuchtteichen.

Dies ist wiederum ein weiteres Argument für den Herbstbesatz! Wenn der Vogeleinfall in den Winterteichen einer Fischzucht passiert, kann es sein, dass der dichte Fischbestand so gestresst wird (aufgrund der hohen Fischdichte ist keine Naturnahrung mehr im Teich), dass die Fische zu viel Kalorien verbrauchen und dann vielleicht sogar geschwächt aus der Winterruhe im Frühjahr rauskommen.

Fischbesatz gegen Parasitenbefall baden

Im Herbst sind die Besatzfische meist auch weniger anfällig für Parasiten, die Fische werden gebadet im Transportbehälter nach der Abfischung, bevor sie in Hälterteiche gesetzt werden. Fische gegen Parasiten baden (Bezeichnung dafür, wenn kurze Zeit ein Mittel gegen Parasiten in den Transportbehälter gegeben wird) ist heutzutage nur noch mit Branntkalk, Kochsalz und Kaliumpermanganat erlaubt. Dies wird auch durchgeführt, bevor die Fische in Winterungen kommen. Allerdings wird durch solche Bäder nicht jeder einzelne Parasit abgetötet und es kann in Winterungen durch die hohen Besatzdichten zusätzlich zu einer Schwächung der Fische kommen, wenn sich die Parasiten schlagartig vermehren. Denn ein Überspringen auf andere Fische ist in Winterungen überhaupt kein Problem, da sich die Fische meist am Boden gedrängt aufhalten.

Frühjahrsbesatz bei kleineren Teichen mit hoher Fischdichte

Kleine, sehr flache Teiche hingegen mit höherer Fischdichte sollten den Frühjahrsbesatz vorziehen, denn meist haben Angelgewässer keinen Frischwasserzulauf und wer kann schon wissen, wie stark und lange der Winter wird. Karpfen sind im Frühjahr problemlos bei uns zu bekommen. K1 – K3 stehen zur Verfügung. Weissfische und Raubfische sollten aber dringend vorbestellt werden, damit diese auch zur Verfügung stehen.

Besonderheiten bei Flussbesatz

Flussbesatz hat wieder andere Vor- und Nachteile. Im Fluss kann der Herbstbesatz den ganzen Winter über durch den Kormoran gestresst bzw. je nach Größe und Fischart gefressen werden. In den stehenden Gewässern haben irgendwann mal die Fische ihre Ruhe, wenn die Gewässer zugefroren sind, im Fluss nicht. Trotzdem muss man bedenken: Im Herbst können sich die Fische noch an den neuen Lebensraum (Fließwasser) gewöhnen und sind dann nicht so überrascht, wenn im Frühjahr nach der Schneeschmelze die Flüsse höheres und stärker fließendes Wasser haben.

Im Allgemeinen reguliert sich im Fluss der Besatz wieder, denn wenn der eigene Fischbesatz wegschwimmt, kommt vom Oberlieger-Besatz seine Fische nach bzw. alle werden nicht wegschwimmen sowie wieder aufsteigen!

Aus unserer Erfahrung heraus können wir sagen, vorzuziehen ist definitiv der Herbstbesatz. Die Fische stehen im vollem Umfang zur Verfügung und das wichtigste: Die Fische sind im Herbst viel besser konditioniert!

Wenn ihr euch einen Teich neu gepachtet habt oder unsicher seid, scheut euch nicht, uns zu fragen, was wir speziell für euer Gewässer empfehlen. Eine rechtzeitige Fischbestellung, sowie rechtzeitiger Fischbesatz ist immer von Vorteil. Dann können wir besser planen und sobald wir unsere Fische abgefischt haben, euch beliefern. Dadurch läuft man nicht die Gefahr, dass keine Fische mehr vorhanden sind.

Für weitere Fragen zum Fischbesatz stehen wir euch jederzeit zur Verfügung. Zum Thema Ernähung und Fütterung in der Karpfenzucht gibt es ebenfalls einen Artikel.

Kontakt

Newsletter-Anmeldung